Beispielgeschichte · Meer · ruhig · 7 Min.
Der Leuchtturm, der nur bei Mondschein wach war
Am Rand eines stillen Meeres stand ein alter Leuchtturm. Tagsüber schlief er tief und fest, die Augen geschlossen, das Licht ganz leise. Erst wenn der Mond über das Wasser stieg, öffnete er langsam sein warmes, goldenes Auge.
„Guten Abend“, flüsterte das Meer und legte eine sanfte Welle an den Fels. Der Leuchtturm blinzelte freundlich zurück und schickte einen weichen Lichtstrahl hinaus, der über die Wellen strich wie eine Hand, die jemanden zudeckt.
Die kleinen Boote im Hafen wiegten sich hin und her. Eines nach dem anderen wurde ruhig, bis nur noch das leise Glucksen des Wassers zu hören war. Der Leuchtturm zählte sie wie Sterne und freute sich, dass alle sicher zu Hause waren.
Als die Nacht ganz weich geworden war, wurde auch sein Licht müder und wärmer. Es blinkte noch einmal langsam – an, aus, an –, so ruhig wie ein tiefer Atemzug.
„Schlaft gut“, sagte der Leuchtturm leise zum Meer, zu den Booten und zu dir. Dann schloss er sein goldenes Auge ein kleines bisschen, und das Meer rauschte ihn sanft in den Schlaf.